Zur Geschichte der Kugelspiele Boule - Boccia - Petanque
Quelle: au fer - das ultimative Kugelmagazin Heft 1/2000

Die historischen Quellen über Kugelspiele im alten Ägypten bzw. im alten China sind zu vage, als daß man sie bemühen sollte. Dass die alten Griechen und Römer ein dem heutigen Boule oder Petanque verwandtes Spiel kannten, ist hingegen unstrittig, wobei die Griechen runde Steine, die Römer mit Eisen beschlagene Holzkugeln verwendeten.
Bei den Griechen warf man die Kugeln so weit wie möglich, bei den Römern so genau wie möglich. Die Römer sind somit die Erfinder der Zielkugel, heute oft salopp 'Sau' genannt und der eigentlichen Logik aller bis heute üblichen Kugelspiele, dass zwei Parteien darum wetteifern, wer präziser spielen kann.
Nach den Einfällen der Barbaren geriet das Spiel zunächst in Vergessenheit und tauchte erst im Mittelalter wieder auf. In Frankreich wurden die Kugelspieler damals Bouleurs genannt. Boule fand allmählich einen derartigen Anklang, dass es 1369 von Karl V. verboten wurde. Die Herrscher waren es leid, dass ihre Untertanen dem Boulespiel frönten, anstatt den Umgang mit Pfeil und Bogen zu üben.
Im 16. Jahrhundert wurde Boule von Papst Julius II. gefördert, der den Kirchenstaat zur größten Macht in Italien machen wollte. Er versammelte die besten Spieler im Staat, und seine beeindruckende Steinwerferkompanie war sowohl den Franzosen als auch den Venezianern und Spaniern haushoch überlegen.
Durch die französischen Feldzüge in Italien kam das Boulespiel wieder nach Frankreich zurück. Der berühmte Schriftsteller und Humanist Francois Rabelais merkte an: "Das Boulespiel ist gut gegen Rheuma und alle möglichen anderen Leiden, es ist für Menschen aller Altersstufen geeignet, vom Kind bis zum Greis". Das Boulespiel wurde immer beliebter, wobei sich allmählich Unterschiede herauszubilden begannen. In Frankreich beschlug man die Holzkugeln mit Nägeln, in Italien färbte man sie ein.
1629 wurde das Boulespiel in Frankreich erneut verboten, und zwar auf Betreiben der Hersteller von Paume-Schlägern (den Vorläufern der Tennisschläger), die um ihre Einnahmen fürchteten. Aber das Verbot wurde kaum beachtet.
Abseits der Öffentlichkeit, vor allem in den Klöstern, wurde weiterhin Boule gespielt, nachdem der Pariser Klerus 1697 den Geistlichen in aller Form verboten hatte, öffentlich Kugeln zu werfen! So entstanden en passant die ersten überdachten Bouleplätze. Bereits ein paar Jahre später wurde das Verbot wieder aufgehoben.
1792 starben bei einer Boulepartie in Marseille 38 Menschen! Es handelt sich dabei keineswegs um ein Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen, obwohl durchaus Kanonenkugeln im Spiel waren. Soldaten hatten nämlich in einem Kloster, in dem auch Pulverfässer lagerten, mit Kanonenkugeln Boule gespielt!

Das " Jeu Provencal "
Der berühmte Physiker und Mathematiker Andre Marie Ampere spielte auch Boule, jedoch mit normalen, sprich mit Kugeln aus Holz, die rundum benagelt waren. Wahrscheinlich frönte er derjenigen Variante, die man seinerzeit im Süden Frankreichs meistens spielte und die heute 'Jeu Provencal' genannt wird. Es wird mit faustgroßen Kugeln auf Distanzen zwischen 17 und 21 Meter gespielt und speziell beim "Schießen" der Kugeln wird Anlauf genommen. Am Anfang dieses Jahrhunderts hatte der im Zusammenhang mit den Folgen des 1870/71er-Krieges aus dem Elsass nach Marseille emigrierte Händler Felix Rofritsch die provencalische Leidenschaft als "Geschäftsidee" entdeckt und in seiner Werkstatt in der Rue des Fabres die erste Manufaktur für genagelte Boulekugeln eingerichtet. Bis dahin hatten sich die Boulespieler ihre Kugeln überwiegend selbst hergestellt.
Ihre kleinen Kunstwerke (Muster durch farbige Nägel, siehe Abb. rechts) konnte man bis in die achtziger Jahre auf proven9alischen Märkten oft noch zu zivilen Preisen ergattern, heute können sie ein kleines Vermögen kosten. Die heute gebräuchlichen Kugeln aus Stahl wurden erst viel später, und zwar 1928 von Jean Blanc, einem arbeitslos gewordenen Metallarbeiter aus St. Bonnet-LeChäteau, östlich Lyon gelegen, hergestellt. Sie sind hohl und werden aus zwei Hälften zusammengeschweißt. Die größeren Kugeln für Boule Lyonnaise werden aus einem Stück gegossen und wurden zuerst, ebenfalls in den zwanziger Jahren, von 'La Boule Integrale' in Lyon produziert.

 

Die Geburt des Petanque
Im Juni 1910 konnte in La Ciotat, der östlich von Marseille gelegenen Hafenstadt, der bis dahin sehr erfolgreiche Jules-le-Noir keine Anlaufschritte mehr machen, weil er starkes Rheuma bekommen hatte. Sein Freund Ernest Pitiot konnte das Trauer-spiel des wehmütig am Spielfeldrand sitzenden schwarzen Julius nicht mehr mit ansehen und erbarmte sich, eine Variante des Kugelspiels zu erfinden, bei der dieser wieder mit dabei sein konnte.
Diese wird stehend oder hockend aus einem Kreis heraus auf recht kurze Distanzen (6 bis 10 Meter) auf nicht präpariertem Terrain gespielt. Dieses 'Petanque' genannte Spiel ohne Anlauf ist also die historisch jüngste Variante aller Kugelspiele und - wenn man so will -wahrscheinlich die erste Behindertensportart.
Die Bezeichnung stammt vom französischen 'pieds tanques', genauer vom provencalischen 'ped tanco', was so viel wie 'mit geschlossenen Füßen' bedeutet. Es wurde zu Petanque zusammengezogen. Diese Variante des Kugelspiels breitete sich rasch in ganz Frankreich und später über fast den ganzen Erdball aus und der Begriff Boule wird heute in vielen Ländern synonym mit Petanque verwandt, weil andere Kugelspiele oft gar nicht mehr bekannt sind.
Aber, sowohl in etlichen Regionen Frankreichs als auch in anderen Ländern gibt es zahlreiche Arten von Wurf- und Geschicklichkeitsspielen mit Kugeln aus Stein, Holz und Ton nach z.T. ganz anderen Regeln.
Nach wie vor wird das Jeu Provencal, auch a la longue genannt, in der Provence praktiziert. Es werden regelmäßig Turniere, oft mit höheren Preisgeldern als beim Petanque, angeboten.
Boule Lvonnaise (gespielt mit größeren Metallkugeln und nach recht kompliziertem Regelwerk), wird vor allem im Rhönetal und in Ostfrankreich praktiziert. Es ist dem Boccia eng verwandt.
Beides wird mit ca. 10 cm großen Kugeln auf präparierten Bahnen gespielt, wobei die Kugeln in Italien meist aus Kunststoff, in Kroatien oft aus Holz sind. Als letzte Variante der Kugelspiele sei noch Bowls (ursprünglich aus Schottland stammend) genannt, das heute in ganz Großbritannien sowie Australien üblich ist.

Wie Boule nach Deutschland kam
Der Überlieferung nach soll die Wiege deutschen Eisenkugelwerfens Bonn/Bad Godesberg sein. Angehörige der französischen Botschaft und der Garnison sollen deutsche Eingeborene mit der hohen Kunst des Petanque-Spie1s bekannt gemacht haben. Etwa zur gleichen Zeit sollen einige Freiburger Schulmeister den Kugelbazillus aus dem Südfrankreich-Urlaub nach Südbaden eingeschleppt haben, weshalb dortige Boulisten ihre Stadt auch gleich als den nördlichsten Ort der Provence wähnten.
Historisch wirklich belegen lässt sich, dass 1965 in Bad Godesberg der erste Boule Club auf deutschem Boden gegründet wurde und 1966 in Saarlouis der zweite.
Erst gut zehn Jahre später im Jahre 1976 wurde auf Initiative von Kugelwerfern aus Bad Godesberg und Freiburg der Deutsche Petanque Verband (DPV) gegründet. Spieler aus diesen beiden Städten machten deutsche Meistertitel in den ersten drei Jahren praktisch unter sich aus.
Anfang der achtziger Jahre traten rasch weitere Aktivist(inn)en, zunächst aus dem Saarland und Berlin, dann aus Düren, Singen, Groß-Gerau und München in Erscheinung. Bald darauf wurde in einem breiten Streifen beidseits des Rheins von der Schweiz bis nach Holland fast flächendeckend gespielt und in den Universitätsstädten von Kiel über Heidelberg bis Tübingen sowieso.

Spielablauf und Spielregeln
Es spielen 2 Parteien gegeneinander - üblich sind 3 Formationen:
- Doublette (zwei gegen zwei Spieler/innen, jede/r hat drei Kugeln)
- Triplette (drei gegen drei Spieler/innen, jede/r hat zwei Kugeln) Auch offizielle Disziplin, aber recht selten praktiziert wird das
- Tete-ä-T&e (Einzel, jede/r hat drei Kugeln)
nicht offiziell ist Quadrette (vier gegen vier, jeder mit zwei Kugeln) Das Anwurfrecht wird durch Los ermittelt. Ein Mitglied desjenigen Teams, dem das Los zufällt, zieht einen Kreis (Durchmesser 35 bis 50 cm) und wirft die Zielkugel (Cochonnet = Schweinchen, meist kurz, aber ohne Verachtung Sau genannt) auf eine Distanz von mindestens 6 und höchstens 10 Metern aus. Anschließend platziert (legt) es die erste Kugel so nah wie möglich an die Sau. Beim Spielen müssen immer beide Füße innerhalb des Kreises den Boden berühren.
Die andere Partei versucht jetzt, entweder noch besser zu legen, oder - wenn sie die Wahrscheinlich dafür als zu gering erachtet - die gegnerische Kugel wegzuschießen.

Legen oder Schießen?
Diese Abwägung zwischen Legen oder Schießen hängt von vielen Faktoren (z.B. Bodenbeschaffenheit, Kugelverhältnis der Parteien, Tagesform, Mut und Offensivgeist oder Angst vor Fehlschüssen (Löchern) ab und ist oft der Knackpunkt des ganzen Spiels. Erfahrungsgemäß gerät die Partie, die sich offensive Spielzüge nicht zutraut, am Ende gern ins Hintertreffen. Man kann aber auch defensives Spiel perfektionieren.
In jedem Fall muss die andere Partei solange spielen, bis sie den Punkt erobert hat oder keine Kugeln mehr besitzt (leer ist). Holt sie den Punkt, ist wiederum das erste Team solange dran, bis es seinerseits den Punkt zurückerobert oder keine Kugeln mehr hat. Ist eine Partei leer, versucht die andere mit den ihr verbleibenden Kugeln, weitere Punkte zu markieren, denn jede Kugel einer Partei, die näher an der Sau liegt, als die beste des Gegners, wird am Ende eines Durchgangs (Aufnahme) als Punkt gezählt.
Gezählt (nötigenfalls gemessen) wird, wenn alle zwölf Kugeln beider Parteien gespielt sind. Wenn z.B. die zweitbeste Kugel der anderen Partei gehört, erhält man einen Punkt, wenn drei Kugeln einer Partei besser liegen, als die beste der anderen, gibt es drei Punkte usw. Möglich sind so ein bis sechs Punkte pro Aufnahme.
Jetzt hat die Partei Anwurfrecht, die die letzte Aufnahme gewonnen hat. Sie zeichnet den Kreis dort, wie dort Sau zuletzt lag, wirft sie aus und spielt die erste Kugel.

Die 13 ist entscheidend
Dann geht es so weiter, wie für die erste Aufnahme beschrieben.
Gespielt wird, bis eine Partei 13 Punkte hat.
Das kann schon nach drei Aufnahmen und gut einer viertel Stunde Spielzeit der Fall sein (solch ein 13:0 wird Fanny genannt), oder
sich über mehr als zwei Stunden hinziehen (für ein 13:12 nach 25 Aufnahmen mit jeweils nur einem Punkt). Damit eine Partie nicht ewig dauert, darf man sich für das Spielen einer Kugel maximal eine Minute Zeit nehmen. Zielkugeln aus Holz oder Kunststoff dürfen einen Ø von 25 bis 35 mm haben. Was man über Wettkampfkugeln wissen sollte, steht auf der nächste Seite. (Achtung: mit Freizeitkugeln darf man Turniere nicht spielen, Asienkugeln taugen nur für Campingboule.) Verändert sich die Lage der Sau im Verlauf einer Aufnahme, so bleibt sie gut, wenn sie zwischen 3 und 20 Metern zu liegen kommt und sichtbar ist. Sie gilt als aus, wenn sie nicht mehr zu sehen ist. In diesem Fall bekommt niemand einen Punkt, sofern beide Parteien noch Kugeln haben. Wenn eine Partei leer ist, erhält die andere so viele Punkte, wie sie noch Kugeln hat.
Die offiziellen Petanque-Regeln mit 39 Artikeln auf 20 Seiten finden sich in der deutschen Fassung des Reglements der Internationalen Petanque Föderation (s. Abb.). Sie ist gegen eine Schutzgebühr über die Mitgliedsvereine des DPV erhältlich.

Welche Kugel soll ich spielen?
Die Wahl des richtigen 'Sportgeräts', der Kugeln also, ist bei Boulisten wie bei vielen anderen Sportarten quasi eine Wissenschaft. Man kann wählen zwischen kleinen und großen, leichten und schweren, weichen und harten, gemusterten und glatten, rostenden und nicht-rostenden. Angeboten werden grundsätzlich Sätze mit drei Kugeln. Für Anfänger sind härtere Kugeln, die gleichzeitig langlebiger und billiger sind, zu empfehlen. Sie kosten ca. 90 bis 120 Mark.
Das allerwichtigste Kriterium beim Kauf von Kugeln ist ihre Größe. Sie müssen genau in die Hand passen. Faustregel: Körpergröße bis 169 cm: Durchmesser 7lmm, 170 - 172: 72mm, 173 - 175: 73mm, 176 - 178: 74mm, 179 - 181: 75mm, 182 - 184: 76mm, 185 - 187: 77mm, 188 - 190: 78mm, 191 - 194: 79mm, über 195: 8Omm.
Als Gewicht sollte in der Regel um die 700gr gewählt werden, bei kleinen Kugeln eher weniger, bei großen eher mehr. Die verschiedenen Muster dienen zur leichteren Unterscheidung, die Wahl sollte auch ästhetischen Vorlieben entsprechen. Wenn Carbone-Kugeln feucht und nicht pfleglich behandelt werden, können sie rosten. Wer das nicht will, zahlt etwas mehr und nimmt Inox-Kugeln. Weiche (und teure Kugeln) bevorzugen erfahrene Spieler, die als Schießer bereits eine hohe Präzision erreicht haben und mit weichen Kugeln häufiger sog. Carreaux oder Palets hinbekommen. Für Anfänger ist der Mehrpreis für weichere Kugeln eigentlich rausgeschmissenes Geld.

Kurze Einführung in die Wurf-Techniken
Bevor man überhaupt anfängt, Boule zu spielen, sollte man sich unbedingt angewöhnen, die Kugeln richtig in die Hand zu nehmen: Man sollte sie grundsätzlich nicht mit dem Daumen und dem kleinem Finger umgreifen, sondern zwischen Handballen und den drei Mittelfingern fassen. Der Handrücken zeigt immer nach oben.

 

Legen
(französisch pointer), das meint beim Boule: möglichst präzise platzieren. Man unterscheidet drei verschiedene Techniken:
- Rollen oder Kullern (frz. Roulette)
- den halben Bogen (demi-Portie), Bild 1
- den hohen Bogen (haute Portie), Bild 2

Alle drei Wurfarten kann man aus der Hocke (1) oder aus dem Stand (2) spielen. Faustregel: je kürzer die Distanz, desto eher aus der Hocke.
Egal, für welchen Wurf man sich entscheidet, der Körper muss gut ausbalanciert sein, um nicht zu 'verreißen'.

Für jede Wurftechnik gilt: Die Kugel nicht durch Muskelkraft, sondern nur durch den Schwung des Armes fliegen lassen! Wenn man sie aus der oben abgebildeten Handhaltung über die Fingerkuppen abrollen lässt, erhält sie automatisch einen Rückdrall, der ihren Lauf stabilisiert und in der Länge kalkulierbarer macht. Der Punkt, an dem die Kugel auf den Boden auftreffen soll (frz. Donnee), muss 'gesund' sein, damit sie nicht verspringt. Eine Donnee genau zu treffen, erfordert intensive Übung. Die richtige Wahl einer Donnee setzt die Kunst des Bodenlesens voraus, die sich erst durch viel Erfahrung ergibt.
Und: lieber zu kurz als zu lang legen, denn eine Kugel vor der Sau stört den Gegner. Boule devant, Boule d'argent, sagt der Gallier.
Um erfolgreich Petanque spielen zu können, muss man gerade auch taktisch versiert sein. Solche Finessen lassen sich letztlich nur nach Bezahlen von viel Lehrgeld erlernen. Wir verzichten deshalb hier auf ein entsprechendes Kapitel und befassen uns lieber mit Tipps zum Schießen, von denen man bei Beachtung echt profitieren kann.

Schießen
(franz. tirer) ist spektakulär, macht Laune, kann Spiele umdrehen und ist im Vergleich zum Legen einfacher und schwieriger zugleich.
Um gut zu schießen, braucht man
- präzise Sensorik und genaues räumliches Vorstellungsvermögen
- einen guten Stand und ein sicheres Gleichgewichtsempfinden
- eine permanent geprüfte optisch-motorische Koordination
- eine Automatisierung und Vereinfachung der Bewegungsabläufe
- stimmige Konnotationen im Bewusstsein*
*die eher mit einem lustvollen und zärtlichen Zungenkuss verknüpft sein sollten, als mit Gedanken, jemanden oder etwas abschießen zu wollen
- eine mentale Belastbarkeit und Erfolgszuversicht
Das Erlernen des Schießens ist dem des Schwimmens oder Fahrradfahrens als hochgradig zu automatisierender Vorgang sehr verwandt.
Wenn man bereits als Kind anfängt, zu ballern und zu treffen, kann man es praktisch nie mehr verlernen. Wer erst als Erwachsener anfängt, schießen zu üben, wird sich immer damit herumplagen müssen, dass der Verstand mitspielen will. Nur der stört eher, als dass er hülfe!
Wer sich eine weiche, eher zeitlupenmäßige Technik beim Schwingen des Arms angewöhnen kann, wer einen sicheren Stand hat und der Kugel nicht hinterher fällt und wem es nach viel Übung gelingt, sich vom Bauch regieren zu lassen und vorm Schuss an nix mehr zu denken, der hat als Erwachsener noch eine gewisse Chance, einer guter Ballermann zu werden. Ja, er wird Schießen zuweilen gar als kinderleicht empfinden und seine Carreaux als ungemein luststiftende Erlebnisse beschreiben.


Pétanque-RegeIn des Deutschen Pétanque Verbands gemäß (F.I.P.J.P)

Allgemeine Bestimmungen, Das Spiel, Die Kugeln, Punkte und Messung, Disziplin

 

 

 

... oder die Geschichte des Boule / Pétanque aus einer anderen Quelle


Boule oder Pétanque?

Boule heißt auf deutsch schlicht und einfach "Kugel". Im Laufe der Zeit entwickelten sich vor allem in Frankreich verschiedene Kugelspiele. Die populärste Variante dieser "Jeux de Boules" ist Pétanque, das auch in Deutschland gespielt wird. 


Die Geschichte der Boule-Spiele


Die Entwicklung der Boule-Spiele reicht Jahrhunderte zurück. Ihren Anfang nahmen sie in Form unterschiedlicher Kugelspiele, die in zahlreichen Ländern von allen Schichten der Bevölkerung ausgeübt wurden. Schon im 13. Jahrhundert wurde in Frankreich mit Holzkugeln Boule gespielt. Hierbei ging es darum, die Kugel möglichst nahe an ein Ziel zu platzieren, entsprach also in etwa den heutigen Versionen. 1369 verbot Karl V. dieses Spiel, weil er die Staatssicherheit gefährdet sah, da die Soldaten anstatt Bogenschießen zu üben, ihre Freizeit dem Boule-Spiel widmeten. Die Pariser Synode von 1697 untersagte allen Geistlichen, in der Öffentlichkeit Boule zu spielen. Genauso wie das Spiel verfolgt wurde, gab es andererseits auch öffentliche Unterstützung. Die berühmte Fakultät von Montpellier bestätigte im 16. Jahrhundert den Wert des Boule-Spiels für die Gesundheit: "Es gibt keinen Rheumatismus oder andere ähnliche Leiden, die nicht durch dieses Spiel vereitelt werden können, es ist für jede Altersstufe geeignet:" Ludwig XI. wusste das auch und spielte häufig Boule, und der bekannte Generalfeldmarschall Turenne galt als unschlagbar. Die Popularität des Spiels stieg im 19. Jahrhundert stark an. Es wurde nicht mehr nur auf Wiesen außerhalb der Stadt gespielt, sondern überall, wo Platz war, in den Straßen und auf den Marktplätzen. 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in Lyon das "Boule Lyonnaise" zu spielen. 1894 wurde dort auch der 1. Wettbewerb veranstaltet, bei dem über 1000 Spieler drei Tage lang um die Plätze rangen. 1906 wurde der 1. Verband gegründet.
In Italien entwickelte sich eine weitere Version, das "Boccia". Gespielt wird auf 4,50 m breiten und 28 m langen, speziell präparierten Plätzen. Die Kugeln sind aus Holz und haben unterschiedliche Farben, um sie auseinanderhalten zu können. Im Jahre 1898 wurde in Turin der erste Boccia-Verband gegründet.
In Frankreich gibt es heute einige unbedeutende regionale Spiele sowie das bereits erwähnte "Boule Lyonnaise", das "Jeu Provencal" und das jüngste, aber heute populärste aller Boule-Spiele: "Pétanque". Die Spielidee ist immer die gleiche, es wird versucht eine oder mehrere Kugeln näher an eine Zielkugel zu platzieren als der Gegner. Unterschiedlich sind die Spielregeln, das Gewicht der Kugeln und die Abmessungen des Spielfeldes. 



Die bekanntesten Boule-Spiele

Das Boule Lyonnaise

Das Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommene Spiel wird heute in großen Teilen Frankreichs praktiziert. Es ist jedoch nicht so populär wie Pétanque, u.a. weil für Boule Lyonnaise ein großer, besonders präparierter Spieluntergrund benötigt wird. Man spielte zu Beginn - wie schon im Mittelalter - mit Holzkugeln. Diese waren, um eine höhere Widerstandsfähigkeit zu erhalten sowie um rund zu laufen, mit Nägel beschlagen. Ab 1923 wurden die Kugeln aus einer Bronze-Aluminium-Legierung hergestellt, heute sind sie hauptsächlich aus Stahl. Ihr Durchmesser muss zwischen 9 und 11 cm liegen, und sie müssen ein Gewicht zwischen 900 und 1400 g aufweisen. Die Zielkugel muß innerhalb einer Zone zwischen 12,5 und 19,5 m zum Liegen kommen. Für die Ausführung des Wurfes hat der Spieler 7 m zur Verfügung, in denen er Anlauf nehmen kann. Das Boule Lyonnaise ist eine sehr sportliche Form des Boule-Spiels. Es gehört viel Training dazu, eine knapp 1,5 kg schwere Kugel über eine Distanz von bis zu 19,5 m zu werfen und damit noch eine gegnerische Kugel zu treffen. 

Das Jeu Provencal

Das Boule Lyonnaise wurde immer bekannter, machte sich auf den Weg die Rhône abwärts und erreichte schließlich das Mittelmeer. Dort angekommen, wurde dem Reglement erst einmal die Strenge genommen, und die Kugeln wurden kleiner und leichter (zwischen 600 und 900 g). So entstand ein neues Kugelspiel in der Provence und wurde deshalb "Jeu Provencal" genannt. Auch hier ist viel Bewegung mit im Spiel. Beim Punktieren macht der Spieler aus einem Abwurfkreis heraus einen großen Ausfallschritt nach rechts oder links und zieht das andere Bein nach. Die Kugel muss gespielt werden, bevor das Nachziehbein den Boden berührt, es wird also auf einem Bein stehend geworfen. Man muss gleichzeitig ein Gleichgewicht finden und die Kugel bis zu 22 m weit gezielt werfen. Beim Schießen nimmt der Spieler drei Schritte Anlauf aus dem Kreis und schießt die Kugel auf einem Bein stehend ins Ziel. Diese Art des Boule-Spiels ist wie seine Lyoner Variante sehr anspruchsvoll. 


Das Pétanque

Man erzählt die Geschichte, daß in der kleinen Stadt LA CIOTAT das Pétanquespiel "erfunden" wurde. Im Jahr 1910 spielten einige Leute auf dem Bouleplatz des Ortes das Jeu provencal.Bei dieser Art von Spiel muss die Kugel mit drei Schritten Anlauf geworfen werden,es gehört also Bewegung dazu. Einer der Männer - sein Name war Jules LeNoir - litt zu dieser Zeit an einer Erkrankung seiner Beine und konnte deshalb nicht mitmachen. Er änderte die Spielregeln so um , dass man im Stehen, mit "auf dem Boden fixierten Füßen" = pieds tanqué, deshalb der Ausdruck "Petanque", spielen konnte. Andere behaupten, seine Freunde hätten die Regeln geändert, um Jules das Mitspielen zu ermöglichen. Beispielsweise wurde die Distanz zur Zielkugel wesentlich verkürzt, man begann auf sechs bis zehn Meter zu spielen. Geworfen wurde aus einem Kreis, den man vorher auf den Boden zeichnete. Im Umkreis der Stadt wurde diese neue Art des Boulespieles sehr schnell bekannt und wurde von vielen Spielern angenommen. So verbreitete sich das Pétanquespiel zuerst in der Region Marseille und später weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. Seine Wurzeln hat das Jeu de Pétanque also aus dem Boule Lyonaise und aus dem daraus hervorgegangenen Jeu Provencal.Die ersten Regeln für Boule Lyonnaise wurden Ende des vorigen Jahrhunderts erstellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Pétanque in Deutschland bekannt und gewinnt seitdem immer mehr Freunde. Nun ist der Begriff "Boule" etwas verwirrend, in der französischen Sprache werden im Zusammenhang mit "Boule" ( was einfach Kugelspiel meint )mehrere Arten genannt z.B. das Boule Lyonnaise, das Jeu Provencal, das Pétanque und andere Arten von Kugelspielen. In der deutschen Sprache meint man mit "Boule" das Freizeitspiel und mit "Pétanque" das Wettkampfspiel.

Wo spielt man?

Gespielt wird eigentlich überall. Meistens jedoch auf eigens dafür angelegten Plätzen, in Frankreich ist dies oft der Dorfplatz mit der Kneipe nebenan. Bei uns die eigens dafür hergerichteten Petanquefelder. Der Untergrund des Bodens sollte etwas fester sein , bei einer Sandschicht von beispielsweise 10 Zentimetern Tiefe würden die Kugeln zu sehr einsinken. Man kann eigentlich fast überall spielen , das Gelände kann uneben sein, dies erhöht meistens den Reiz beim Legen (Pointieren) der Kugeln. In Deutschland gibt es einige Hallen in denen man spielen kann , sie sind jedoch sehr rar. So müssen also die Boulisten während der kalten Jahreszeit bei Wind und Wetter in der rauhen Natur ihrem Plaisir nachgehen. Einige Unentwegte (auch Spinner genannt) findet man auch im Winter auf den Plätzen.



Die Boulekugeln 

Freizeitkugeln:

Inzwischen werden Boulekugeln auch in Deutschland nicht nur von Direktimporteuren der französischen Hersteller auf Wettbewerben oder über einzelne Sportgeschäfte vertrieben. Auch Supermärkte, Unternehmen wie IKEA oder aber auch Versandhäuser bieten Boulekoffer mit 6-8 Kugeln mitsamt dem Zubehör zum Kauf an. Dies sind jedoch in der Regel sehr preiswerte, verchromte und vom Verband nicht zu Wettbewerben zugelassene Freizeitkugeln. Zudem sind oft nur jeweils zwei gleiche Kugeln im Koffer, was das Auseinanderhalten bei Tête oder Doublette sehr erschwert. 
Wettkampfkugeln:

Dies sind Kugeln mit guter Qualität bezüglich Haltbarkeit, Rundheit und Ausgewogenheit. Ein Satz besteht aus 3 Kugeln. Jeder Satz ist durch 3 eingravierte Merkmale einmalig und eindeutig identifizierbar. Dies sind ein Hersteller-Kürzel, das Gewicht und eine Seriennummer. 
Größe und Gewicht:

Die heutigen Spielkugeln bestehen überwiegend aus Stahl. Sie müssen ein Gewicht zwischen 650 und 800 g haben und ihr Durchmesser kann zwischen 70,5 und 80,0 mm variieren. 
Die Auswahl:

Um Freude am Spiel zu haben und erfolgreich zu sein, sollte man beim Kauf der Kugeln darauf achten, dass diese die eigene bevorzugte Spielweise unterstützen. Neben den Kriterien Größe und Gewicht können auch die Oberfläche und die Oberflächenhärte eine Rolle spielen. Als Orientierung: Ein Leger wird eher kleine, schwere, stark geriffelte und harte Kugeln verwenden, da diese besser die Richtung halten und ein kleineres Ziel bieten. Ein Schiesser wird sich eher große, leichte, glatte und weiche Kugeln zulegen, um eine größere Chance für einen Treffer zu haben. 


Kosten für Kugeln und Zubehör:

Pétanque ist eine vergleichsweise günstige Freizeitbeschäftigung. Ein guter Satz Kugeln kostet rund 60,-- Euro. Hinzu kommen eine Zielkugel, ein Tuch zum Säubern der Kugeln, ein Messgerät und eine Tasche.